Generatives Hinhören

Wenn wir gut zuhören, versuchen wir unser gegenüber zu verstehen und in Situationen, wo Lösungen gefragt sind, geben wir mit vollster Empathie unseren Lösungsvorschlag kund. Ganz ehrlich, damit entfernen wir uns in Wirklichkeit weit mehr von unserem Gegenüber, als wir denken. Unser Gesprächspartner möchte uns etwas mitteilen. Er möchte Gehör finden. Wenn wir aber Lösungen anbieten, entschlagen wir uns der für echte Hilfe – für Selbsthilfe – nötigen Verbundenheit. Im Kopf sind wir dann schon meilenweit entfernt, bei einer eigenen möglichen Lösung und geben Ratschläge. Weil wir ja meinen, nur mit einer schnellen Lösung, könnte geholfen werden. Für uns selbst eine viel befriedigendere Situation, da wir ja etwas Gutes damit tun. Zumindest meinen wir das und dürfen uns gut dabei fühlen.

Was aber, wenn wir statt, das Gehörte zu analysieren und sogleich beginnen Lösungen zu suchen, im Moment bleiben und unsere vollste Aufmerksamkeit unserem Gegenüber schenken. Wir erliegen nicht der Versuchung, etwas reparieren zu wollen, sondern halten bewusst die Dissonanz aus Realität und idealer Vorstellung für einen Moment aus?

Beim Generativen Hinhören interessiert uns weniger, was unser gegenüber sagt, vielmehr aber interessiert uns wie, in welcher Gefühlswelt und mit welcher Perspektive etwas gesagt wird. Natürlich nehmen wir auch den Inhalt auf. Wir bleiben aber im Moment des Erzählens und folgen der Erzählung auf emotionaler Ebene. Wir schwingen uns sozusagen auf das Gegenüber ein. Jetzt richten wir unser Gehör auf das, was sich in unserem Gegenüber entfalten will. Wir melden zurück, was uns auffällt. Dem Gegenüber kommen so plötzlich ganz neue Gedanken und Sichtweisen. Durch das Zuhören auf dieser Ebene geschieht etwas tief in uns drinnen und im Gesprächspartner. Es entsteht eine Verbundenheit und Vertrauensbasis. Dabei öffne ich mich mit für das Wesen des Gegenübers.

Auf diese Art und Weise Hilfestellung zu leisten geschieht allein durch das Geschenk des Generativen Hinhörens. Das was Otto Scharmer als als Presensing bzw. Generatives Hinhören beschreibt, ist mit jener Form zu Denken verwandt, die wir im Zuge von Dynamic Facilitation mit Choice Creating erfahren können.

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